Prinzipien der Montessori-Pädagogik

In Anlehnung an das Buch

Montessori Pädagogik. Einführung in Theorie und Praxis“

von Michael Klein-Landeck und Tanja Pütz

Wahlfreiheit

Das Kind entscheidet sich z. B. für den Zeitpunkt einer Arbeit, für die Dauer, es bestimmt die Anzahl der Wiederholungen, wählt seinen Arbeitsplatz und eventuelle Partner selber aus. Die Wahlfreiheit basiert auf dem Vertrauen,dass Kinder etwas lernen wollen. Kinder lernen besonders intensiv, wenn das Thema eine Bedeutung für sie hat (vgl. Ergebnisse Hirnforschung).  Die Wahlfreiheit führt zu Motivation, Selbständigkeit, Selbstbewusstsein, Aktivität und Förderung der Selbsteinschätzung.

Individualisiertes Lernen

Die Kinder lernen nicht nur in unterschiedlichem Tempo und auf unterschiedlichen Wegen, sondern verfolgen auch unterschiedliche Ziele. Dieses zieldifferente Arbeiten ermöglicht jedem Kind das Lernen auf seinem Entwicklungsstand.

Lernen mit allen Sinnen

Erst das BEGREIFEN mit den Händen schafft die Voraussetzung für die Bildung von Begriffen (vgl. Hirnforschung, Vester). Wenn der visuelle, der haptische, der gefühlsmäßige und der auditive Kanal angesprochen werden, können sich Lerninhalte besser im Gehirn verankern. In Montessori Gruppen arbeiten Kinder deshalb mit anschaulichem Lernmaterial, das zum Hantieren einlädt und mehrere Sinne anspricht.

Selbsttätigkeit

Das, was man sich selbst erarbeitet hat, versteht man besser und es bleibt besser haften. Daher erschließen sich Kinder in Montessori Einrichtungen Themen und Inhalte möglichst selbsttätig. Freiarbeit dient vor allem der aktiven Aneignung von Kenntnissen und nicht der Übung dessen, was der Erwachsene zuvor gelehrt hat. Auch die Überprüfung der Arbeitsergebnisse sollte möglichst selbsttätig durch das Kind erfolgen. Dadurch wird dessen Fähigkeit zur Selbsteinschätzung gefördert und zunehmende Unabhängigkeit vom Erwachsenen erreicht.

Kooperatives Lernen

In der Freiarbeit sprechen die Schüler leise miteinander, um sich gegenseitig zu helfen. Viele Materialien und Aufgaben werden in Partner- oder in kleinen Gruppen bearbeitet. Man muss dabei Rücksicht auf die anderen und die Gruppe nehmen und darf andere nicht stören. Am Ende der Freiarbeit können Kinder ihre Ergebnisse der Gruppe vorstellen, andere Kinder äußern sich dazu. Neben Selbständigkeit und Individualisierung ist kooperatives Lernen ein wichtiges Prinzip.

Intrinsisch motiviertes Lernen

Die oben genannten Prinzipien begünstigen intrinsisch motiviertes Lernen. Die freie Wahl und das individualisierte Lernen verhindern z. B. ständige Überforderung bzw. Unterforderung und Langeweile. Es zählt vor allem die individuelle Leistung und die persönliche Entwicklung. Das Bewältigen von Aufgaben durch eigene Anstrengung ermöglicht Erfolgserlebnisse, die Selbstvertrauen geben. Das stärkt die Lernfreude und Erfolgszuversicht der Kinder.

Der Erzieher/Pädagoge als Lernbegleiter

Der Erwachsene unterstützt in einer Atmosphäre des Vertrauens den Weg des Kindes zu einer eigenständigen Persönlichkeit. Wertschätzung und Achtung vor dem Kind sind dabei von zentraler Bedeutung. Der Erwachsene ist Helfer und Begleiter und zeichnet sich durch das Vertrauen in die Selbstentfaltungskräfte des Kindes aus.                                                          Während der Freiarbeit ist es wichtig, das Kind zu beobachten, um esgezielt anzuregen und bei der Auswahl seiner Arbeit zu beraten. Individuelle Fähigkeiten und die sensiblen Phasen des Kindes werden dabei in Betrachtgezogen. Der Erwachsene weist die Kinder so in den sachgemäßen Umgang mit den Materialien ein, dass das Interesse daran geweckt wird und das Kind selbstständig weiterarbeiten kann. Gemeinsam mit den Kindern werden Regeln des sozialen Miteinandersaufgestellt, die es ihnen ermöglichen, sich zu integrieren und Verantwortung zu übernehmen.

 

Der Erzieher/Lehrer bereitet die Lernumgebung vor

Die vorbereitete Lernumgebung.

Eine gut vorbereitete Lernumgebung soll so gestaltet und organisiert sein,dass Lernen nach den oben genannten Prinzipien möglich wird. Die Angebote der vorbereiteten Umgebung werden deshalb den Bedürfnissen und dem Entwicklungsstand des Kindes angepasst. Offen zugängliche Materialien fordern zur Eigenaktivität auf und geben dem Kind die Möglichkeit, selbsttätig Erfahrungen zu sammeln. Alle Dinge haben im Raum einen festen Platz und sind klar strukturiert. Sie stehen in den Regalen so bereit, dass die Kinder sie unabhängig von Erwachsenen nehmen und auch wieder dorthin zurückbringen können. Die äußere Ordnung ermöglicht es dem Kind zu einer inneren Ordnung zu finden. Da sich die Ausstattung der Lernumgebung dem Entwicklungsniveau der Kinder anpassen muss, sieht die Umgebung für das Kleinkind im Kinderhaus, für das Grundschulkind oder für Jugendliche sehr unterschiedlich aus.

Gemeinsam gelten aber folgende Kriterien:

  • Klare Strukturierung und übersichtliche Ordnung
  • Die Materialien sind in einer den Kindern einsichtigen
  • Ordnung in Funktionsbereiche gegliedert.
  • Die Materialien sind in Reichweite der Kinder in offenen Regalen untergebracht.
  • Die Ordnung dient der Orientierung und Übersichtlichkeit (Kinder können nur frei wählen, wenn sie wissen, was zur Auswahl steht).
  • Jedes Ding hat einen Platz.
  • Klare Regeln: Jedes Material wird nach Gebrauch an seinen angestammten Platz zurückgestellt.
  • Jedes Material hat eine Fehlerkontrolle, um das selbstständige Arbeiten zu gewährleisten

Kurzfilm “Lernen nach Maria Montessori”     https://youtu.be/b3nNUzvBpl4

Das Leben der Marie Montessori

  • Maria Montessori wurde am 31. August 1870 in Chiaravalle in der Provinz Anconas geboren. Ihre Mutter Renilde Montessori, geb. Stoppani (1840 – 1912), stammte aus einer Gutsbesitzerfamilie und ihr Vater Alessandro Montessori (1832 – 1915) war Finanzbeamter. Der Vater war eher konservativ eingestellt, ihre Mutter vertrat jedoch eher liberale Ansichten. Was sich später auf die Berufswahl von Maria auswirkte.
  • Nach der sechsjährigen Grundschulzeit, beschloß Maria 1883 auf eine naturwissenschaftlich-technische Sekundarschule zu gehen, welche normalerweise nur von Jungen besucht wurde. Ihr Vater konnte diese Wahl mit seinem kleinbürgerlichen Weltbild nur sehr schwer vereinbaren, doch ihre Mutter stelle sich aufgrund ihrer offenen Weltanschauung auf die Seite Marias. Die Ausbildung an der Sekundarschule schloss sie mit großem Erfolg, vor allem in Mathematik, ab. Ihr Berufswunsch hatte sich während dieser Zeit geändert, sie wollte nun Ärztin werden.
    Der Arztberuf war zu jener Zeit in Italien eine reine Männerdomäne. Alessandro, ihren Vater, überzeugte Maria insofern, dass er ihr das Studium nicht verbat, jedoch entstand durch diese Entscheidung ein tiefer Bruch zwischen den Beiden. Zunächst verwehrte man ihr die Zulassung zum Medizinstudium, weshalb sie 1890 Naturwissenschaften an der Universität in Rom studierte. Letztendlich waren ihre Bemühungen zum Medizinstudium zugelassen zu werden von Erfolg gekrönt. So begann sie 1892 als erste Frau das Medizinstudium. Sie musste viel Kritik und Diskriminierungen über sich ergehen lassen, zum Beispiel durfte sie beim Sezieren der Leichen nicht mit Männern in einem Raum sein, was zur Folge hatte, dass sie abends und allein im Anatomiesaal arbeitete.
    Kurz vor der Beendigung ihres Medizinstudiums musste sie vor all ihren Mitstudenten einen Vortrag halten. Sie bewältigte diese Aufgabe mit Bravur und ihr Vater, welcher dem Vortrag beigewohnt hatte, war so stolz auf seine Tochter, dass sie sich wieder versöhnten. Am 10. Juli 1896 promovierte Maria und wurde die erste Ärztin Italiens, die “Dottoressa”.
  • In den Jahren 1896 – 1906 arbeitete sie erst in einer chirurgischen Klinik, später begann sich für die Pädagogik zu interessieren und arbeitete nun in einer psychiatrischen Klinik für geistig behinderte Kinder.
  • Ein weiterer wichtiger Punkt in ihrem Leben war die Beziehung zu Dr. Giuseppe Montesano, mit dem sie an der psychiatrischen Klinik eng zusammengearbeitet hatte. Aus dieser Beziehung entstand ihr Sohn Mario, welcher am 31. März 1898 geboren wurde. Durch diese Entwicklung stand sie im Konflikt zwischen ihrer Karriere und ihrem Kind. Ein uneheliches Kind war zu dieser Zeit verpönt. Hätte sie öffentlich zu ihrem Sohn gestanden, wäre ihre Karriere beendet gewesen und damit auch ihre bisherigen pädagogischen Bemühungen. Deswegen entschloss sie sich ihren Sohn in eine Pflegefamilie zu geben. Dort besuchte sie ihn häufig. Ihr eigenes Kind nicht selbst erziehen zu können war vielleicht ein Grund, warum sie sich so sehr um die bestmögliche Erziehung aller Kinder bemühte.
  • In den folgenden Jahren studierte sie erneut, diesmal Pädagogik, Experimentalpsychologie und Anthropologie. Sie hielt viele Vorlesungen und trieb ihre Erkenntnisse voran. Die ersten Grundzüge ihrer Pädagogik waren gedacht. An der psychiatrischen Klinik beobachtete sie geistig behinderte Kinder und stieß auf das Phänomen der Polarisierung der Aufmerksamkeit. Sie versuchte die Kinder mit verschiedenen Sinnesübungen zu erreichen und war damit erfolgreich. Der Wunsch dasselbe mit normalbegabten Kindern zu probieren war geweckt und die Möglichkeit dazu ergab sich am 6. Januar 1907, als sie das erste Kinderhaus “casa dei bambini”im römischen Proletarierviertel San Lorenzo eröffnete. Durch ihre großen Erfolge wurden in Italien immer mehr Kinderhäuser eröffnet.
  • 1909 hielt Maria ihren ersten Ausbildungskurs über ihre Pädagogik und veröffentlichte ihr Werk “Il metodo della pedagogica scientifica”.
    1913 nahm sie ihren nun 15-jährigen Sohn Mario zu sich. Dieser begleitete sie in der folgenden Zeit bei ihren Reisen in verschiedene Länder, wo Maria ihre Pädagogik durch Kurse und Vorträge bekannt machte. Die Montessori-Bewegung war international geworden, es wurden nun weltweit Montessori-Kinderhäuser und -Schulen eröffnet. Im Laufe der Zeit bezog sie Mario immer mehr mit ein und er wurde ihr Berater.
  • In der Blüte der Montessori-Bewegung gelangten in Italien die Faschisten an die Macht. Mussolini unterstützte ihre Pädagogik und die Methode wurde an allen italienischen Schulen eingeführt, ihre Pädagogik wurde zur nationalen Erziehungstheorie Italiens. Als die Faschisten zu stark in ihr Werk eingriffen, löste Maria die Verbindung und floh nach Amsterdam. In Italien, Spanien, Russland und Deutschland wurden die Montessori-Schulen geschlossen. Sie erlitt große Rückschläge und floh nach Ausbruch des zweiten Weltkrieges nach Indien, wo sie von 1939 bis 1946 mit ihrem Sohn Mario lebte.
    In der Zeit in Indien baute sie ein großes Netzwerk auf und es entstand eine starke indische Montessori-Bewegung. 1946 kehrte sie nach Europa zurück und stand vor ihrem nahezu vernichteten Werk. Maria gab nicht auf und ließ ihr Lebenswerk mit viel Mühe und vielen Reisen und Vorträgen wieder aufblühen.
  • Am 6. Mai 1952 verstarb Maria Montessori überraschend in Holland und hinterließ ihr Werk, welches von ihrem Sohn Mario weiterentwickelt wurde und bis heute aktuell geblieben ist. (vgl. Heiland, H.: Maria Montessori. Reinbek 1991)